Geisslitztaler Musikanten

Geschichte von Pulsen

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Pulsen im Jahre 1274. Der Name Pulsen steht für "Ort an den Sumpfteichen". Die Schreibweise des Namens änderte sich mehrfach. Die heutige Schreibweise ist etwa seit 1800 üblich.

Pulsen - der geteilte Ort

Als erster Besitzer des Ortes wird der Bischof Meiner von Naumburg geführt, dessen Interessen vom Kloster in Riesa vertreten wurden. Vom Bischof Meiner ging der Ort in die markgräfliche Lehnsträgerschaft über. Ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Pulsen geteilt verlehnt. Dabei ging eine Hälfte zu Strehla, die andere zu Tiefenau über. 1539 wurde Pulsen nach Frauenhain eingepfarrt und 1550 erstmals der Schulbesuch in Koselitz erwähnt.

Im Jahre 1611 gehörte Pflugk von Rottewitz die eine Hälfte des Ortes, 1613 Abraham von Einsiedel auf Tiefenau die andere.

Pulsen - das kinderreichste Dorf der DDR

1779/1780 wurde das Eisenwerk Gröditz unter Besitz von Graf von Einsiedel gegründet, was für die Entwicklung Pulsens große Bedeutung hatte. Als 1912 der erste Kraftstrom nach Pulsen geleitet wurde, hatte sich die Zahl der Einwohner bereits auf 135 erhöht. 1925 zählte Pulsen 154 Einwohner.


Im I., besonders aber im II. Weltkrieg, begann die Aufrüstung. Unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen mussten Männer, Frauen und Kinder ihr Tagwerk verrichten. Vor allem die Schwerindustrie als Waffenschmiede wurde benötigt. Die Erweiterung der Mitteldeutschen Stahlwerke begann und damit ein Aufschwung im Werk Gröditz. Der Bedarf an Arbeitskräften im Werk Gröditz stieg sprunghaft an. Das Gelände der Gemeinde Pulsen schien für eine neue Siedlung in der Nähe des Werkes am besten geeignet. 1939 gab es 171 Einwohner und es wurde mit dem ersten Bauabschnitt einer Arbeitersiedlung in Pulsen begonnen. Bis zur endgültigen Fertigstellung vergingen drei bis vier Jahre. Für die Fremdarbeiter wurden drei Steinbaracken am Ortsausgang errichtet. Die Einwohnerzahl erhöhte sich auf über 2800. Mit dem Inkrafttreten der Selbstverwaltung gingen die 800 Wohnhungseinheiten auf die Gemeinde über. Zu diesem Zeitpunkt waren Bürger aus 13 Nationalitäten in Pulsen ansässig. Hinzu kamen Rückkehrer und Umsiedler aus den ehemaligen Ostgebieten durch die die Einwohnerzahl bis 1946 auf 3170 anstieg. Zeitweilig war Pulsen das kinderreichste Dorf der DDR.

Pulsen nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem II. Weltkrieg herrschte in Pulsen Chaos. Zudem hatten durch die Kriegswirren und die Demontage des Werkes Gröditz viele ihren Arbeitsplatz verloren. Der Wiederaufbau des Stahlwerkes brachte ihnen diese Arbeitsplätze aber wieder zurück. Auch die in Pulsen ansässige Hausschuhfabrik entwickelte sich weiter. Wo anfangs 5 Männer und 5 Frauen aus alten Uniformen die Produktion von Haus- und Kinderschuhen begannen, waren 1947 bereits ca. 50 Arbeitskräfte beschäftigt. Später erhöhte sich diese Zahl auf über 100.


Der normale Schulbetrieb begann wieder im Schuljahr 1946/47. 1952 wurden im heutigen Kindergarten und in Koselitz 750 (!!!) Schüler unterrichtet. Bald machte sich der Bau einer neuen Schule erforderlich. 1964 wurde ein Schulneubau beschlossen. Im Jahre 1968 erfolgte dann die symbolische Schlüsselübergabe. In die 1. Etage des alten Schulgebäudes zog der Kindergarten ein.

Im Jahre 1958 kam es zu einem schweren Hochwasser: Die Geißlitz, die Röder und der Brückgraben traten über die Ufer und überschwemmten Teile Pulsens. Dabei wurden alle Gärten verwüstet, und es gab auch keinen trockenen Keller in der Gemeinde. Tausende von Sandsäcken waren nötig, um die Fluten des Hochwassers einzudämmen.

Erst 1969 wurden umfangreiche Regulierungsarbeiten an Geißlitz und Röder durchgeführt, die eine Wiederholung solcher Katastrophen unmöglich machen.